Hausgeburt Teil 3 // Ich würde es wieder tun

Ich falle gleich beim Titel mit der Tür ins Haus… ja es hat geklappt, und JA ICH WÜRDE ES WIEDER TUN!

 

Ich habe meinen Geburtsbericht ja bewusst in mehreren Teilen erzählt

> In Hausgeburt Teil 1 habe ich euch erzählt warum ich mich für eine Hausgeburt entschieden habe und wie ich mir das vorstelle, welche Vorteile ich denke zu haben

> In Hausgeburt Teil 2 habe ich euch erzählt wie es los ging und warum meine Freundin und Frisörin unbewusst meine Geburt eingeleitet hat

 

Nun in Teil 3 geht es um die Geburt selbst, los geht’s 🙂

 

 

Nachdem mir also Mittag’s um halb eins die Fruchtblase am Parkplatz vor meiner Frisörin platzte fuhr ich als erstes wie auf rohen Eiern nach Hause und lief danach vom Parkplatz zur Wohnungstüre… Sicher das es ein Blasensprung war, war ich mir bis dahin immer noch nicht. Ich hörte zwar ein leichtes „knacken“ und ich verlor stetig Wasser, aber da dies mein erstes mal war, war ich mir unsicher.

 

 

In der Wohnung angekommen zog ich mich also mal um – ich zog mich dann in den nächsten 2 Stunden noch 5 x um da ich ständig nass wurde und anfangs noch mit Slipeinlagen anstatt mit Wochenbetteinlagen hantierte 😀 MEGA FAIL ;D – danach setzte ich mich mit dem Handy und einem Handtuch auf die Couch und versuchte alles über einen Blasensprung herauszufinden (Farbe, Geruch, Konsistenz). Nach einer halben Stunde entschied ich, meine Hebamme anzurufen und ihr von meinem Verdacht auf Blasensprung zu erzählen – Hebamme nicht erreichbar… Naja dann also mal meinen Mann anrufen, natürlich auch nicht erreichbar – war so klar…

Also schrieb ich meiner besten Freundin die mich sofort anrief und ich konnte ihr von meinem Verdacht erzählen und meine Ängste und Sorgen loswerden. Sie beruhigte mich und war sich da schon sicher das ich wohl einen Blasensprung hatte – ich mir ja im Prinzip auch, und doch brauchte ich noch eine Bestätigung 🙂 Wir klärten auch gleich die Betreuungsdetails von meinem Sunnyboy (dies haben wir natürlich auch schon alles im Vorfeld abgesprochen). Gleich nach der Arbeit, um 16 Uhr, wollte sie ihn abholen.

Eine Stunde nach meinem Anruf rief mich endlich meine Hebamme zurück und auch sie war sich auf Grund meiner Schilderung nicht sicher ob es wirklich ein Blasensprung war.  Sie bat mich meine zweite Hebamme (für die Nachbetreuung) anzurufen sodass diese das abchecken kann.

Während meines Telefonates mit meiner Geburtshebamme hat dann auch mein Mann zurück gerufen und konnte im ersten Moment gar nicht glauben was ich ihm sagte – der ET war ja auch erst am Montag und wir gingen immer davon aus das ich einige Tage über den ET gehen werde). Er lies die Arbeit dann natürlich für den restlichen Tag liegen und machte sich sofort auf den Weg nach Hause.

Wie in vorigen Post erwähnt kam natürlich Mittag gegen halb 2 mein Sohn von der Schule nach Hause. Durch meine anfängliche Nervosität und der Tatsache das ich ständig neben ihm telefonierte, war es für ihn auch schwer möglich sich auf sein Mittagessen (irgendwie zauberte ich ihm schnell noch „Eiernudeln“) und die Hausaufgaben zu konzentrieren – aber ganz ehrlich, mir war dies an diesem Tag egal und ich ging davon aus seine Lehrerin wird dafür Verständnis haben.

Ich rief dann also meine Wochenbett-Hebamme (nennen wir sie Hebamme 2) an und zu meinem Glück war sie gerade in der Nähe und ihr war in ihrer täglichen Tour auch noch jemand ausgefallen sodass sie sofort kommen konnte – 14.00 Uhr – Hebamme 2 Untersuchte Muttermund (geschlossen aber Fingerdurchlässig) und checkte verlorenes Fruchtwasser – Bestätigung: JA ES GEHT LOS

 

Auf raten meiner Geburtshebamme (ab sofort Hebamme 1) schickte ich meinen Freund zur Apotheke um mir einen Wehentee, welcher die Wehentätigkeit fördern soll, zu besorgen. Um ca. halb 3 gingen dann die ersten leichten Wehen los. Ob dies an dem Tee lag oder sie sowieso los gehen wollten kann ich natürlich nicht sagen, wichtig war nur, es geht weiter 🙂  Noch konnte ich sitzen und liegen und mich mit meinem Partner normal unterhalten und auch die Nervosität verflog mit jeder Wehe. Essen konnte ich leider nichts mehr, keinen Appetit, was mir aber leider im Laufe der Geburt zum Verhängnis wurde. Ich fing langsam aber sicher an zu mir zu zurückzufinden und mich auf das wesentliche zu konzentrieren.

In der ersten Zeit nutzte ich auch den „Pezi-Ball“, welchen ich mir extra für die Geburt zugelegt habe, und setzte mich immer wieder auf ihn drauf und lies mein Becken kreisen – als die Wehen dann heftiger wurden konnte ich diesen aber nicht mehr leiden. ..

Als ich wieder einmal auf die Uhr sah war es gerade 15.30 Uhr und ich dachte nur „zum Glück wird mein Sunnyboy bald von meiner Freundin geholt“ . Er saß zwar nur im Wohnzimmer, also neben mir, und hat gefernseht, trotzdem hat mich das irgendwie gestört. Die Wehen wurden nun heftiger und ich hatte das Gefühl ich muss mich neben ihm „zusammen reißen“. Als es dann 16 Uhr wurde, der ausgemachte Abholtermin, schrieb mir leider meine Freundin das sie länger arbeiten muss und ihn nun doch erste um 17 Uhr holen kann. Das hätte ich nicht mehr durchgehalten – mein Mann brachte ihn daher zu meiner Mama, die ich vorher informiert hatte, das wir heute nicht zur Geburtstagsfeier meines Papas (er hatte am 19. April Geburtstag und seinen letzten Arbeitstag vor seiner Pensionierung) kommen können und sie wohl spätestens morgen Oma wird,  von dort fuhr er dann mit meiner Freundin heim.

Als mein Mann um ca 16.20 Uhr wieder nach Hause kam bat ich ihn sofort (ich hatte bestimmt öfter einen Befehlston als einen Bitt-Ton auf lager 🙂 ) meine Wehenabstände aufzuschreiben da ich das Gefühl hatte keine Pause mehr zu haben. So war es auch. Bereits hier waren meine Abstände, zwar unregelmäßig, aber nur noch zwischen 1-3 Minuten. Mein Freund informierte wieder einmal unsere Hebamme 1 welche jedoch meinte, die Wehen müssen noch länger werden und die Abstände regelmäßiger.

Um 16 Uhr, als ich alleine war, habe ich mir auf Youtube eine Ed Sheeren Playlist aufgelegt…. als mein Mann wieder zurück kam habe ich meine Augen geschlossen und nicht mehr sehr oft aufgemacht. Ich habe mich auf mich, meine Wehen und der Musik konzentriert und wollte nichts mehr sehen 🙂

Ab und an habe ich meinen Mann in paar Anweisungen gegeben – zb um mir eine Gymnastikmatte zu bringen, da ich die Wehen sehr lange im Vier-Füßlerstand verschnaufte und die Knie anfingen zu schmerzen.

Um 17.30 Uhr telefonierte mein Partner wieder mit der Hebamme und sie sicherte uns zu, sich nun auf den Weg zu machen – ich war sehr froh den ich wollte die Kontrolle endlich abgeben. Auf Grund des Verkehrs erreichte die Hebamme uns erst um 18.30 Uhr.. ich war schon ziemlich müde und erschöpft und sie machte sofort alles bereit .. Bereits bei einem Hausbesuch haben wir viele Dinge in unserer Wohnung geklärt. Zum einen wollte sie damals wissen ob wir schon alles für die Geburt besorgt haben was sie uns aufgeschrieben hat (Müllsäcke, Einwegwickelunterlagen, Malerfolie) und wo sie es findet, zum anderen hat sie sich aufgeschrieben wo der Wasserkocher zu finden ist, die Geschirrtücher, Handtücher etc… Als sie also kam fragte sie nicht viel sondern fing sofort an alles für sich und mich vorzubereiten.

Um 18.40 Uhr, kurz nach eintreffen der Hebamme, hatte ich schon das Bedürfnis zu pressen und meine Hebamme sagte kurz und bündig: dann tu es 🙂

Diese Phase dauerte aber ziemlich lange und unsere kleine Maus erblickte um 19.45 Uhr, mit ganz vielen und vor allem langen Haaren, das Licht der Welt – obwohl klein.. mit 53 cm und 3,9 kg war sie nicht so klein wie erwartet, den 5 Tage vor dem Blasensprung haben sie sie im Krankenhaus noch auf 3,1 kg geschätzt. Meine Hebamme meinte aber: HÄTTEST DU GEWUSST DAS SIE SO GROSS IST, HÄTTE DICH BESTIMMT DER MUT FÜR DIE HAUSGEBURT VERLASSEN. Und da hatte sie sicher recht.

 

Also kam unsere kleine große Maus ohne großer Hilfe von außen, in aller Ruhe und vertrauter Umgebung zu Hause auf die Welt. Die Hebamme musste ihr lediglich bei Kinn und Schultern etwas helfen…


Und wie ich oben schon erwähnt habe, ich würde es wieder tun.


Das Zusammenspiel und die Nähe zwischen meinem Mann bzw. Geburtspartner war bei dieser Hausgeburt so groß. Er war mein Held in diesen Stunden.. mein Seil an dem ich mich halten konnte, mein Geburtshocker an dem ich mich abstoßen konnte, meine Polster zum anlehnen.

Nachdem die Nabelschnur auspulsiert war, durchtrennte mein Mann die Nabelschnur und ich konnte unsere kleine Maus endlich an mich kuschen (dies ging vorher noch nicht da die Nabelschnur zu kurz war). Als es dann um mich ging, ich riss etwas ein (aber dort wo ich auf Grund meiner ersten Saugglockengeburt bereits genäht wurde), nahm mein Mann seine kleine Tochter entgegen und zeigte ihr ihr neues zu Hause. 

Und als alle Spuren von der Geburt von der Hebamme beseitigt wurden und wir alle drei alleine in unserem Familienbett lagen, konnten wir in aller Ruhe gemeinsam unsere kleine Maus begutachten und die letzten Stunden Revue passieren lassen 🙂 Auch mein Mann gefiel die Art der Geburt sehr und er hatte in keiner Sekunde Angst das etwas mit mir oder der Kleinen passieren könnte.

Am nächsten Tag, zur selben Zeit wie am Vortag, kam mein Großer von der Schule nach Hause und konnte seine kleine Schwester kennenlernen, abschmusen und sich, so wie Papa und Mama, verlieben <3

 

Natürlich ist eine Hausgeburt nicht für jeden geeignet. Jeder der Ängste oder Zweifel hätte sollte sich für eine Krankenhausgeburt entscheiden. Aber wenn man vertrauen auf sich und seine Geburtshelfer hat, so wie ich, ist eine Hausgeburt eine schöne Wahl.

 

 

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